Ein verlängertes Wochenende in Hamburg

29. Januar 2014 10:36 | von

Hamburg – ist das nicht da, wo sie alle Fisch essen, Anker-Tätowierungen auf dem Oberarm haben und wo es an 364 Tagen im Jahr regnet? Fast. Ja, die Hamburger kaufen mehr Kilo Fisch im Jahr als der Durchschnitts-Deutsche, ja, es gibt sicher Menschen, die Schiffszubehör auf der Haut tragen und ja, die Wahrscheinlichkeit, dass der von langer Hand geplante Ausflug bei Regen stattfindet, ist in Hamburg sicherlich höher als wenn es nach Freiburg geht.

Die Hansestadt hat aber natürlich weitaus mehr zu bieten, als es die Klischees zu beschreiben vermögen. Um einen Eindruck von der Vielfalt der Stadt und der Menschen zu bekommen, die hier leben, empfiehlt es sich, mindestens für ein verlängertes Wochenende herzukommen.

Tag 1: Hafen & St. Pauli erkunden

Am Hamburger Hauptbahnhof kommen Züge aus allen Ecken der Republik an. In jüngster Zeit haben sich zudem gerade für mittlere Entfernungen eine ganze Reihe an Fernbus-Unternehmen ins Spiel gebracht, die die Hansestadt mehrmals täglich ansteuern. So gelangt man von Berlin aus in zwei Stunden und 40 Minuten zum Zentralen Omnibusbahnhof in Hamburg – und das für gerade einmal 11 Euro pro Fahrt.

Hafencity in Hamburg (Alte Speicherstadt)

Hafencity (Alte Speicherstadt) ©

Mit dem Bahnhof hat man dann auch den idealen Ausgangspunkt, um seine Erkundungstour zu starten. Von hier aus geht es über Altmannbrücke und Klosterwall in Richtung Deichtorplatz, dann weiter über die Oberbaumbrücke auf die Poggenmühlenbrücke von wo aus man einen schönen Blick in die alte Speicherstadt mit ihren Backstein-Fassaden hat. Der größte zusammenhängende Lagerhauskomplex der Welt gehört heute zur neu gegründeten „HafenCity“ und beherbergt neben diversen Museen und der größten Modelleisenbahn der Welt auch Büroräume, etwa von Verlagen oder Agenturen.

Elbphilharmonie

Elbphilharmonie ©

Die Poggenmühle runter gelangt man weiter südlich auf die Stockmeyerstraße, wo sich in der Hausnummer 39 eine kleine Hamburger Institution befindet: die „Oberhafenkantine„. Das kleine Klinkerhäuschen hat bereits die ein oder andere Sturmflut hinter sich, wobei das Wasser auch schon mal bis zur Theke stand. Kein Wunder also, dass die Kneipe Schlagseite hat. Dies sollte jedoch selbst zur Seekrankheit neigende Hamburg-Besucher nicht davon abhalten, auf einen Wachmacher vorbeizuschauen oder sich eine der begehrten Frikadellen zu genehmigen. Die gibt es mit Kartoffelsalat und Brot für 7,50 Euro. Wer sich aufwärmen möchte, kann sich auch für die Tagessuppe entscheiden (ab 5 Euro).

Gut gestärkt, lässt es sich anschließend entspannt durch die kleinen Gassen und über die zahllosen Brücken der Speicherstadt bis zum Baumwall spazieren. Wer will, kann unterwegs noch einen Blick auf die als „Milliardengrab“ gebrandmarkte Elbphilharmonie werfen.

Hamburger Hafen

Hamburger Hafen ©

Über die Niederbaumbrücke und das Johannisbollwerk geht es weiter in Richtung St. Pauli-Landungsbrücken. Von hier aus starten diverse Ausflugsdampfer und Barkassen zu Hafenrundfahrten. Für etwa 16 Euro (je nach Anbieter) kann man an Bord gehen und zwischen einer und eineinhalb Stunden durch den Hafen schippern, Gastronomie und Erklärungen inklusive. Wer auf Letzteres verzichten kann und ohnehin ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel gelöst hat (zum Beispiel eine Tageskarte), springt einfach auf eine der Hafenfähren, die hier im 10-Minuten-Takt verkehren und zum Hamburger Nahverkehr gehören. Heißt: Die Rundfahrt gibt’s kostenlos. Besonders empfehlenswert ist die Linie 62 zwischen den Landungsbrücken und Finkenwerder, die im Prinzip an denselben Sehenswürdigkeiten vorbeifährt wie die Ausflugsdampfer – am Fischmarkt, an der Köhlbrandbrücke, den Container-Terminals und am Museumshafen Övelgönne. Zudem können Fahrgäste an jeder Station beliebig ein- und aussteigen. Im Sommer lohnt sich das vor allem in Övelgönne, wo man an Hamburgs Elbstrand entlang bis zur berühmten „Strandperle“ spazieren kann, um dort ein kühles Astra in der Sonne zu genießen. Die komplette Strecke Landungsbrücken – Finkenwerder und zurück dauert etwa eine Stunde.

Weiter die Hafenstraße entlang geht es rechts über die Davidstraße Richtung Reeperbahn. In der Davidstraße 17 lohnt sich ein Zwischenstopp im „St. Pauli-Museum„, wo Besucher alles über die Geschichte des wohl bekanntesten Stadtteils Hamburg erfahren. Ganz Museum-untypisch haben die Ausstellungsräume donnerstags und freitags sogar bis 23 Uhr geöffnet, samstags bis 24 Uhr. Dafür ist montags geschlossen. Rein geht’s für 6 Euro (ermäßigt 5).

Zum Schellfischposten

Der Schellfischposten ©

Alternativ geht’s von den Landungsbrücken am Fischmarkt vorbei nach Altona, wo sich in der Carsten-Rehder-Straße 62 der „Schellfischposten“ befindet, die nach eigener Aussage älteste Seemannskneipe Hamburgs. Berühmtheit erlangte sie vor allem durch die Sendung „Inas Nacht“ (trotzdem oder gerade deshalb gilt: Fotografieren im Gastraum unerwünscht!). Hier gibt es leckere Fischbrötchen ohne viel Schnickschnack in urig-gemütlicher Atmosphäre und mit so viel Klimbim an den Wänden, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hingucken soll. Dazu ein kühles Astra und einen Schnack mit den Damen hinterm Tresen (so sie denn für einen aufgelegt sind) – spätestens jetzt regt sie sich, die Sehnsucht, die Segel zu hissen und die Weltmeere zu befahren.

Vorher geht es aber noch zur Reeperbahn, die bei keinem Hamburg-Besuch fehlen darf. Wer sich im „Schellfischposten“ Appetit angegessen (oder angetrunken) hat, biegt am besten über die Pepermöhlenbek kommend rechts in die Trommelstraße ein und geht bei Hausnummer 4 vor Anker. Denn im „The Bird“ erwarten den hungrigen Heimkehrer saftige Burger mit hausgemachter Sauce (ab 9,50 Euro) und handgeschnittene Pommes (4 Euro), und das Montag bis Sonntag bis 23 Uhr, freitags und samstags sogar bis Mitternacht.

Der Verdauungsspaziergang führt anschließend einmal die Reeperbahn runter, vorbei an zwielichtigen Clubs, Fast-Food-Restaurants, Ramschläden, Bars und Kneipen – die beste Gelegenheit, sich schon mal eine Location für den späten Abend auszugucken. Zu einer der legendärsten gehört der Jazzclub „Mojo“ an der Reeperbahn 1, der im Februar 2013 nach über zehn Jahren Pause wieder geöffnet hat.

Wer es nach dem ausgiebigen Erkundungstag etwas ruhiger angehen will, geht ins „B-Movie“ in der Brigittenstraße 5, etwas nördlich der Reeperbahn. Hier gibt es seltene Filmschätze zu sehen, garantiert analog, garantiert in 2-D und garantiert für nur 3,50 Euro, es sei denn, man möchte den Betreibern des ehrenamtlich betriebenen Wohnzimmer-Kinos noch eine zusätzliche Spende da lassen.

Text & Bilder © Katja Thiede

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